7. „Hinterm Horizont geht’s weiter“

(Textpassage eines Liedes des zeitgenössischen deutschen Sängers, Malers und Poeten UDO LINDENBERG)

Horizonte sind nicht nur scheinbare Begrenzungslinien zwischen Himmel und Erde, sie limitieren so aber auch unsere Wahrnehmungen, unsere Gefühle. Unser Gesichtskreis wandelt sich leicht zum Akzeptanzkreis unseres Denkens und Fühlens: Dimensionen des unendlich Kleinen oder des unendlich Großen – egal ob materiell oder immateriell – werden dabei schwer vorstellbar, da der Horizont eine einfache Möglichkeit, ja eine geradezu bequeme intellektuelle Ausrede darstellt, eine nicht mehr meßbare und damit faßbare Dimension als Realität vorerst auszugrenzen.

Seit Bestehen der Natur- und Geisteswissenschaften gab und gibt es für viele Wissenschaftler das Problem des Horizontes. Es entwickelte sich ein „Horizont-Denken“ insbesondere für die Realitäten von „Raum und Zeit“: War es anfänglich beispielsweise vielleicht nur das Tal, in dem ein Stamm lebte, dann bildete später das Land eines Volkes die natürlichen Erfahrungsgrundlagen des Wissens- und Denkhorizontes für die Grundmatrix von „Raum und Zeit“. Lange Zeit galt die Erde als Scheibe, an deren Horizont die Welt definitiv zu Ende war. Wissenschaftler mußten sogar dafür sterben, wenn sie diesem Denkdogma widersprachen. Erst die Definition der Erde als Kugel erweiterte beträchtlich unser Horizont-Denken. Aber nun gab es ein neues Problem: Wenn die Erde eine Kugel im Weltraum ist, welche Horizonte bildet dieser Weltraum? Nun sind wir also dabei zu messen, wie viele Universen es wohl gibt, welche Distanzen im Raum existieren oder wie der Weltraum überhaupt zusammengesetzt ist. Und bei all diesen Messungen werden wir de facto bereits wiederum durch die uns zur Verfügung stehenden technologischen Gegebenheiten limitiert. Wir stoßen also wieder an Grenzen. Die Wissenschaftler haben aus der Not eine Tugend gemacht. Sie sagen, daß sie zuverlässig nur messen können, wo eine nachweisbare Meßtechnik mit definierten Maßeinheiten eingesetzt werden kann. Da beginnen aber schon wieder neue Probleme: Wie will man dabei die Urkomponenten aller Maße – „Raum und Zeit“ – einbeziehen?

Hier setzt erneut das altbewährte „Horizont-Denken“ ein: Man behauptet ganz einfach, daß es einen sog. Urknall gab, wo Raum und Zeit beginnen. Damit schafft man einen sog. Ereignishorizont in Richtung Null. Das realwissenschaftliche Problem dabei ist aber, daß es für den sog. Urknall als 0-Linie aller Messungen keinen wissenschaftlichen Beweis gibt. Nicht minder problematisch aber ist die andere Seite des Ereignishorizontes: Das sich angeblich permanent räumlich vergrößernde Universum. Stimmt das denn überhaupt? Vielleicht vergrößert und verkleinert sich das Universum in einer permanenten Undulation. Wo ist denn da das nachweisliche Ende der Meßstrecke? Wieder eine Art Urknall, wo Raum und Zeit zu Ende sind? Eine solche Lösung wäre für die Wissenschaftler ideal, bewegt man sich doch wieder auf dem sicheren Terrain des definierten Horizont-Denkens. Nennen wir das einmal die „Urknall – Antiurknall“ – Theorie. Fast ketzerisch (so wie etwa vor Hunderten von Jahren) wäre dann die Frage: Was war vor dem Urknall, was kommt nach dem Antiurknall, was ist vor und hinter dem Horizont von Raum und Zeit? LINDENBERG als Künstler mißt seine Gefühle und Vorstellungen nicht mit irgendwelchen limitierenden Technologien, sondern sagt ganz einfach: „Hinterm Horizont geht´s weiter“! Das klingt möglicherweise – vordergründig betrachtet – wie eine unwissenschaftlich vereinfachende Behauptung. Bei näherem Hinsehen jedoch entsteht eine Übereinstimmung zwischen dieser Aussage und der Relativität von Realitäten, so wie sie in der „Theorie der relativen und originalen Realität“ definiert wird:

Jede relative Realität kann nach unendlich groß oder nach unendlich klein deviieren und somit in ihren Dimensionen unendlich größer oder unendlich kleiner werden. Bei der originalen Realität sind alle Informationen jeder möglichen Realität abgespeichert, und auch die originale Realität wird nicht begrenzt, denn sie kann durch Information und Kommunikation auf der „Achse aller nach unendlich deviierenden originalen Realitäten des Omniversums“ Informationen austauschen und auf einer beliebigen „Achse aller nach unendlich groß bzw. nach unendlich klein dedviierenden realativen Realität eines Universums“ nach unendlich groß oder nach unendlich klein deviieren und wird in einem solchen Fall zu einer relativen Realität. Faktoren wie etwa Horizonte, Urknall oder andere limitierende Faktoren sind in der „Theorie der relativen und originalen Realität“ als nicht existent ausgeschlossen.